Biographie Hamanns

Kurzvita Hamanns, hier in Anlehnung an die Zeittafel Jörgensens, die ergänzt und erweitert wurde. Einen Lebensbericht bis London gibt Hamann selbst in seinen Gedanken über meinen Lebenslauf, ein umfänglicher Abriß seines Lebens findet sich sowohl im Aufsatz Wilhelm Diltheys, als auch bei Karl Rosenkranz. Für die Biographie bis heute maßgeblich: Josef Nadler, Johann Georg Hamann. Der Zeuge des Corpus mysticum. Salzburg 1949.

1730 Johann Georg Hamann wird am 27. August in Königsberg als erster Sohn des Baders Johann Christoph Hamann (1697-1766) und der Maria Magdalene geh. Nuppenau geboren. Sein Großvater väterlicherseits war Pfarrer, sein Onkel Johann Georg Hamann (1697-1733) der Verfasser einer Fortsetzung von Zieglers Asiatischer Banise, geistlicher Lieder und eines Poetischen Lexicons.

1746 Immatrikulation an der Albertus-Universität in Königs-berg. Studien der Rechts- und Staatswissenschaft, Philosophie, Sprachen und Literatur. Mit den Freunden Johann Christoph Berens, Johann Gotthelf Lindner u. a. Herausgabe der Wochenschrift Daphne.

1752-56 Ohne Abschluß eines Studiums geht Hamann als Hauslehrer nach Livland. Anstellung auf zwei adligen Gütern. Fortsetzung philosophischer und volkswirtschaftlicher Studien und ausgedehnte Lektüre englischer und französischer Schriftsteller. Übersetzung einer handelspolitischen Schrift (Dangueil) im Auftrage von Berens.

1756-59 Anstellung im Handelshaus Berens, Riga. Über Königs-berg, Berlin (Zusammensein mit Moses Mendelssohn und Johann Georg Sulzer), Lübeck und Rotterdam nach London, wo er 1757 in mutmaßlich handelspolitischem Auftrag der Firma eintrifft. Der Auftrag scheitert, dennoch bleibt Hamann über ein Jahr lang in London, wo er eine ‚Lebenswende' erlebt, die sich in den erst postum veröffentlichten Schriften Bibliscbe Betrachtungen eines Christen, Gedanken über meinen Lebenslauf und Brocken niederschlägt.

1758/59 Wieder in Riga. Gespanntes Verhältnis zu J. C. Berens, woran vermutlich seine Werbung um dessen Schwester Katharina im Dezember 1758 scheitert. Im Januar 1759 kehrt Hamann nach Königsberg zurück.

1759-64 Im Sommer 1759 kommt J. C. Berens nach Königsberg und versucht mit Kant Hamanns Rückbekehrung zur Aufklärung. Sokratische Denkwürdigkeiten erscheinen als Antwort und Anfang der eigentlichen Autorschaft. Bis 1962 veröffentlicht er mehrere kleine Schriften von denen einige, darunter Aesthetica in nuce in dem Sammelband Kreuzzüge des Philologen (1762) erschienen. Weiterhin erscheinen die beiden kleinen Schriften Schriftsteller und Kunstrichter, sowie Leser und Kunstrichter, die sich u.a. mit der deutschen Kritik von Rousseaus Neuer Heloise auseinandersetzen. Mitarbeit an den Königsbergschen Gelehrten und Politischen Zeitungen. Studien des Griechischen, Hebräischen und Arabischen, Luthers und Bengels, gleichzeitig rege Anteilnahme an dem literarischen und philosophischen Gespräch, die sich in kleinen polemischen Schriften äußert. Anfang seiner Leidenschaft zu Anna Regine Schumacher, die als Mädchen im Hause des Vaters dient. Beginn der Freundschaft mit Herder, den er in die englische Sprache und Literatur einführt. Versuche, im Magistrat und in der Kriegs- und Domänenkammer eine Stellung zu finden.

1764-67 Hamann verläßt Königsberg, um eine Anstellung in Frankfurt am Main, die ihm von Friedrich Carl von Moser angeboten worden ist, zu übernehmen, verfehlt aber Moser. In Berlin bei Mendelssohn und Friedrich Nicolai. Rückkehr nach Königsberg, das Herder verläßt, um nadi Riga zu gehen, Hamann geht 1765 nach Mitau als Sekretär bei dem Rechtsanwalt Tottien. Reise nach Warschau. Wiederholtes Zusammensein mit Herder. Tod des Vaters 1766.

1767-72
Hamann kehrt nach Königsberg zurück. Durch Kants Vermittlung bekommt er eine Übersetzerstelle in der von Franzosen geleiteten Zollverwaltung. Da er immer noch Katharina Berens als »seine Braut aus Gottes Hand« ansieht, fängt er eine »Gewissensehe« mit Anna Regine Schumacher an. Das erste Kind wird am 27. September 1769 geboren. Wirtschaftlich schwierige Lage. Kleinere französische Schriften und Übersetzungen aus dem Englischen. Zeitungsartikel.

1772-75 Wiederaufnahme der Verbindung mit Herder. Beförderung zum Packhofverwalter. Als Antwort auf Herders Preisschrift Über den Ursprung der Sprache schreibt Hamann u. a. Des Ritters von Rosencreuz letzte Willensmeynung über den göttlichen und menschlichen Ursprung der Sprache. Auch zu Herders Schrift Älteste Urkunde des Menschengeschlechts äußert sich Hamann. Verbindungen zu Matthias Claudius und Johann Kaspar Lavater.

1775-79 In den Hierophantiscben Briefen und Konxompax religionsgeschichtliche und theologische Auseinandersetzungen mit dem Aufklärer, Freimaurer und Kryptokatholiken Starck, den Hamann zu seinem Beichtvater macht, über Ursprung und Wesen des Christentums. Eine weitere wichtige Schrift aus dieser Zeit ist der Versuch einer Sibylle über die Ehe.

1779-86 Metakritik über den Purismum der Vernunft zu Kants Kritik der reinen Vernunft. Erst posthum (1800) gedruckt. Golgatha und Scheblimini zu Meridelssohns Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum. Freundschaft mit Friedrich Heinrich Jacobi und Franz Caspar Buchholtz, der Hamann aus finanzieller Not hilft. Anfang der Beziehungen zu dem Kreis um die Fürstin Galitzin in Münster. "Entkleidung und Verklärung. Ein fliegender Brief an Niemand, den Kundbaren".

1787/88 Ein Gesuch um Urlaub wird mit Abschied und kleiner Pension beantwortet. Hamann tritt die lange geplante Reise nach Westfalen, zu F. H. Jacobi, Buchholtz und der Fürstin Galitzin, an. Von Krankheiten geplagt, verbringt er sein letztes Jahr als Gast bei ihnen. Als er die Rückreise über Weimar nach Königsberg antreten will, stirbt er am 21. Juni 1788. Er wird im Garten der Fürstin Galitzin begraben.